Mein Herz mach rein

Im letzten Jahr begleitete mich ein Bibelvers, welchen ich im Neujahrsgottesdienst auf ein hübsches kleines Kärtchen gedruckt erhielt. Er lautete:

„Glückselig, die reinen Herzens sind, denn sie werden Gott schauen.“ – Matthäus 5,8

Als ich ihn zum ersten Mal las, war ich mir nicht sicher, ob ich mich freuen, oder Respekt vor dem haben sollte, was mich dem Vers zufolge im neuen Jahr erwarten würde. Ich fragte mich, ob ich schon dieses reine Herz hatte, von dem im Vers die Rede war, und was eventuell bevorstehen konnte, damit ich ein solch reines Herz bekam.
Nun ist das Jahr 2019 passé. Ich blicke auf ein Jahr zurück, welches wirklich dazu beigetragen hat, dass mein Herz ein ganzes Stück reiner wurde. Das war zwar wirklich mit sehr viel Aufregung und Anstrengung verbunden, aber es hat sich gelohnt!
Gleich zu Beginn des neuen Jahres tauchte erneut eine Person auf meiner Bildfläche auf, die zuvor nicht grundlos von dieser verschwunden war. Der Schmerz, der aus der komplizierten Freundschaft von damals resultierte, saß noch tief. Ich war sehr misstrauisch, als alles so aussah, als wäre die Bahn frei, um eine Beziehung einzugehen – zum Glück. Das Problem war nur, dass mein Herz sich immer noch zu gut an die schönen Momente, die Schmetterlinge im Bauch erinnerte. Ich hätte mir so sehr gewünscht, dass das „und sie lebten glücklich bis ans Ende ihrer Tage“ auf ihn und mich zutraf. Doch die Realität deutete auf etwas anderes hin. Zu viel war vorgefallen. Ich konnte ihm nicht trauen. Ich konnte meinen Emotionen nicht trauen. Ich wollte keinen Fehler begehen, sondern eine weise Entscheidung treffen. Also wandte ich mich an Gott, bat ihn um Weisheit und um seinen Rat. Über Wochen verstärkte sich mein ungutes Gefühl in dieser Sache und so entschied ich mich gegen eine Beziehung und für die Hoffnung auf etwas Vielversprechenderes in dieser Richtung. Ein Schritt, durch den mein Herz reiner wurde, denn so konnte die ganze Geschichte von damals komplett heilen. Und so wuchs ich ein ganzes Stück.
Gott beschenkte mich währenddessen in einem anderen Bereich meines Lebens mit einer Menge. Meine erste EP wurde veröffentlicht und ich bekam sehr viele Gelegenheiten, um mit meinen Songs auf Bühnen zu stehen, in Wohnzimmern zu spielen und die Geschichten hinter den Songs zu erzählen. Auch das war anfangs nicht leicht, da ich keine Ahnung hatte, wie man Lieder eigentlich musikalisch anspruchsvoll für eine kleine Band arrangiert. Auch auf der Gitarre war ich noch längst kein Profi. Aber Gott öffnete Türen, an denen ich noch nicht mal geklopft hatte; Auftritte und Gelegenheiten zum Spielen ergaben sich, ohne dass ich jemals etwas dafür tat. Leute kamen mit Anfragen auf mich zu. Ich stürzte mich also in die Welt der Musik hinein und es war richtig erfüllend. Man kann sagen, dass Gott mir das nötige Werkzeug schenkte, um der Aufgabe gerecht zu werden, denn ich bekam wie von alleine so viel mehr Können auf der Gitarre und Wissen über die Materie. Ich fühlte mich unglaublich wohl als Delia – die Musikerin. Zu wohl, denn mein Alltag wurde mir zu gewöhnlich und langweilig. Ich wollte am liebsten immer die kreative Musikerin sein, denn als solche fühlte ich mich wohl und besonders, irgendwie wertvoll. Ich bemerkte gar nicht, dass ich mich fast nur noch über mein Können als Musikerin definierte. Alle anderen Bereiche meines Lebens, meiner Persönlichkeit wurden immer unwichtiger. Ich wollte mehr und entschied mich dazu, mich an einer Musikhochschule zu bewerben. Aber es durfte nicht irgendeine Musikhochschule sein, es musste die Hochschule für Popmusik schlechthin sein, die ich schon seit Jahren im Hinterkopf und vor der ich unglaublichen Respekt hatte. Früher traute ich mir nicht zu, dass ich die harten Aufnahmetests in Theorie und Gehörbildung bestehen könnte. Nun wollte ich aber nichts mehr, als die ganze Zeit Musik zu machen, sogar zu studieren, von Musikern umgeben zu sein und mich dem Ganzen ganz hinzugeben. Also gab ich alles, um diese Tests zu bestehen. Ich lernte, übte, lernte, übte. Und es lohnte sich, denn ich wurde zur Aufnahmeprüfung eingeladen, bestand den Theorieteil und durfte deshalb schlussendlich vorsingen, was die wenigsten schaffen. Ich war mir so sicher, dass ich an diese Musikhochschule gehörte. Ich merkte, dass mein Herz höherschlug, dass ich wie magisch angezogen wurde. Und ich dachte, dass Gott diesen Weg des Musikstudiums mit den verrückten Künstlern und aufregenden Projekten auch für mich im Sinn hatte. Ich erhielt sogar einige Bestätigungen diesbezüglich, die für mich unmissverständlich auf den Weg des Musikstudiums hinwiesen. Aber die Tür blieb verschlossen. Ich erhielt eine Absage. Und ich war am Boden zerstört. Ich war sauer. Enttäuscht. Verletzt. Gekränkt. Entmutigt. Verzweifelt. Perspektivlos.
Ich verstand Gott nicht. Ich war enttäuscht von ihm und zweifelte an, dass er es wirklich gut mit mir meinte, denn ich konnte mir nicht vorstellen, was gut an meinem gewöhnlichen, langweiligen Leben als Lehramtsstudentin sein sollte. Ich war traurig. Den ganzen Sommer lang.
Bis Gott mir sagte, dass ich nun wieder aus meinem Loch herauskommen sollte. Es sei okay zu trauern, aber ich solle wieder fröhlich sein und weitermachen. Ganz ehrlich; das wollte ich auch von Herzen! Tief drinnen wusste ich nämlich irgendwie, dass nichts ohne Grund passiert und Gott alles gebraucht, um uns ihm ähnlicher zu machen, uns zu ihm zu ziehen. Meine – in meinen Augen – trostlose Situation musste irgendeinen tieferen Sinn haben. Und diesen offenbarte mir Gott auch. Ich erkannte, dass ich mein ganzes Sein an dieses Musikerleben gehängt hatte. Ich definierte mich nur noch darüber. Ich dachte, ich könnte nichts wirklich gut, außer Musik zu machen. Aber ich bin so viel mehr als das. Und vor allem bin ich nicht, was ich kann. Ich bin nicht meine Fähigkeiten. Ich bin Delia – Kind Gottes, Jüngerin Jesu. Ausgestattet mit Gaben und Talenten, auf die ich kein Recht habe, die vielmehr Geschenke sind.

„Mir aber sei es fern, mich zu rühmen als nur des Kreuzes unseres Herrn Jesus Christus, durch das mir die Welt gekreuzigt ist und ich der Welt.“ – Galater 6,14

Ich sollte mich nur dafür rühmen, nur darüber definieren, Jüngerin Jesu zu sein. Das erkannte ich. Ich bat Gott um Verzeihung. Und ich verstand, dass ich dies nicht in meinem Herzen begriffen hätte, wenn ich eine Zusage der Hochschule bekommen hätte. Ich hätte blindlings in meiner Illusion der coolen Künstlerin Delia gelebt und vergessen, worauf es wirklich ankommt. Ein so falsches Selbstbild, Selbstbewusstsein wäre gefährlich. Eine tickende Zeitbombe. Sobald der Teil, über den man sich definiert, wegbricht, ist es dahin mit der Selbstsicherheit und Zufriedenheit. Gott hat mich davor bewahrt, mir ein Leben auf dieser falschen Grundlage aufzubauen. Vielmehr hat er mir erneut klargemacht, dass meine Identität als seine Tochter das einzige ist, auf das es sich zu bauen lohnt und auf das ich mich wirklich verlassen kann. Denn passiere was wolle – dass ich Kind Gottes bin, kann mir nichts und niemand nehmen.
Rückblickend verstehe ich das, was ich damals für die Bestätigung bezüglich eines Musikstudiums hielt, viel mehr als Bestätigung dafür, dass es Gott gefällt, wenn ich Musik für ihn mache und er dies gebrauchen möchte. Das kann auf verschiedene Wege passieren; dazu muss ich kein neues Leben starten, Musik studieren und permanent von Künstlern umgeben sein. Ich bin froh, dass ich diese Lektion in 2019 gelernt habe und neu definieren konnte, wieso ich Musik mache und wozu sie dienen soll. Ich habe ein neues Bewusstsein für den Umgang mit meiner Gabe bekommen und habe eine klarere Vision. Ich habe ein reineres Herz in diesem Bereich bekommen.
Mit einer neuen Vision im Gepäck, schrieb ich neue Songs und machte mich auf die Suche nach der Musik, die ich wirklich machen möchte. Dabei beschenkte mich Gott mit neuen Möglichkeiten; die Zusammenarbeit mit einem neuen, talentierten Produzenten, der echt Bock hat, vieles in musikalischer Richtung auszuprobieren. So entstand ein neuer Sound für einen meiner Songs, den ich einfach nur feiere.
Genau diesen Song durfte ich in einer christlichen Fernsehsendung performen. Dass ich diese Möglichkeit bekam, war eindeutig Gottes Werk. Denn nach meiner Aktion mit der Musikhochschulbewerbung, wollte ich bezüglich meines Weges als Musikerin nichts mehr erzwingen. Ich wollte mich ganz auf Gott verlassen. So betete ich eines Abends, dass ich nun nichts mehr von mir aus machen würde. Gott würde mir ganz klare Gelegenheiten zum Auftreten und Musikmachen schenken müssen. Am nächsten Morgen erhielt ich eine Nachricht über Instagram von benannter Fernsehsendung, die mich fragte, ob ich mir vorstellen konnte, in der Sendung zu performen. Und ob ich mir das vorstellen konnte! Ich war total aus dem Häuschen, beeindruckt und voller Ehrfurcht vor Gottes Treue! Gott schaffte wirklich Wege, damit ich Musik machen konnte. Das ist einfach nur cool!
Gott hatte den Teil aus meinem Herzen entfernt, bei dem ich mich zu sehr über meine musikalische Fähigkeit definierte. Da waren aber noch andere Teile, die das Potential haben, sehr gefährlich zu werden, wenn sie überhandnehmen. So ging Gott das Thema Schönheit an. Denn das war bei mir auch eine ziemlich große Sache. Als Teenager litt ich unter Magersucht und hatte ein sehr geringes Selbstwertgefühl, was so einige Spuren hinterlassen hatte. Ich hatte schon einiges über mich gelernt und Dinge überwunden, aber ganz frei war ich immer noch nicht von schlechten Gedanken über mich. Gedanken, die in meiner Magersuchtsphase entstanden waren. Das musste aufgedeckt werden! Also erinnerte Gott mich an Situationen aus meiner Vergangenheit, die Auslöser für schlechte Gedanken und Komplexe waren, die ich so an ihn im Gebet abgeben durfte. Die Tür der Magersucht schloss sich komplett. Dadurch konnten Wunden heilen und der Schmerz verschwand immer mehr. Ich weiß nun, welchen Lügen ich jahrelang geglaubt habe. Und da wären wir wieder beim Herzen; denn dieses wird nun nicht mehr durch einen Schleier von Lügen verhüllt. Ich kenne meine Schönheit und kann mich viel besser annehmen.
Mein Jahr 2019 war geprägt von vielfältigen Herausforderungen, aber auch von Geschenken und Segnungen Gottes. Ich stelle fest, dass Gott in allem zu erkennen ist und dass er so viele Dinge gebraucht hat, damit ich weiser und reifer werde, damit mein Herz reiner und heiler wird. Der Bibelvers aus Matthäus 5 stand über meinem Jahr und ich durfte immer wieder staunen, dass Gott schon zu Jahresbeginn angekündigt hatte, was er insbesondere in 2019 mit mir vorhatte. In den schwierigen Momenten ist mir der Vers immer wieder in den Sinn gekommen und ich konnte so an Gottes Verheißung festhalten. Ich habe erneut erfahren, was es bedeutet, auf ihn zu vertrauen und an ihm festzuhalten, auch wenn ich absolut nicht verstehe, warum er macht, was er macht. Gott ist gut, das kann ich von ganzem Herzen sagen! Er sagt in seinem Wort, der Bibel, so oft, dass er gute Gedanken über uns Menschen hat, dass er uns beschenken will – in der Ewigkeit mit ihm und auch schon hier auf Erden.

„Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen, denen, die nach seinem Ratschluss berufen sind“ – Römer 8, 28

Mit dieser Gewissheit, schaue ich gespannt auf das neue Jahr und auf das, was Gott wohl 2020 mit mir vorhat. Mich erwarten einige Veränderungen, auf die ich mich freue, die gleichzeitig auch viele Herausforderungen mit sich bringen. Aber was kann schon groß passieren, wenn ich weiß, dass Gott gut ist, er gute Pläne für mich hat und alles gebraucht, damit ich heiliger und frei von jeglicher Last werde?! In diesem Sinne: auf die goldenen Zwanziger!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.