Mein Herz mach rein

Im letzten Jahr begleitete mich ein Bibelvers, welchen ich im Neujahrsgottesdienst auf ein hübsches kleines Kärtchen gedruckt erhielt. Er lautete:

„Glückselig, die reinen Herzens sind, denn sie werden Gott schauen.“ – Matthäus 5,8

Als ich ihn zum ersten Mal las, war ich mir nicht sicher, ob ich mich freuen, oder Respekt vor dem haben sollte, was mich dem Vers zufolge im neuen Jahr erwarten würde. Ich fragte mich, ob ich schon dieses reine Herz hatte, von dem im Vers die Rede war, und was eventuell bevorstehen konnte, damit ich ein solch reines Herz bekam.
Nun ist das Jahr 2019 passé. Ich blicke auf ein Jahr zurück, welches wirklich dazu beigetragen hat, dass mein Herz ein ganzes Stück reiner wurde. Das war zwar wirklich mit sehr viel Aufregung und Anstrengung verbunden, aber es hat sich gelohnt!
Gleich zu Beginn des neuen Jahres tauchte erneut eine Person auf meiner Bildfläche auf, die zuvor nicht grundlos von dieser verschwunden war. Der Schmerz, der aus der komplizierten Freundschaft von damals resultierte, saß noch tief. Ich war sehr misstrauisch, als alles so aussah, als wäre die Bahn frei, um eine Beziehung einzugehen – zum Glück. Das Problem war nur, dass mein Herz sich immer noch zu gut an die schönen Momente, die Schmetterlinge im Bauch erinnerte. Ich hätte mir so sehr gewünscht, dass das „und sie lebten glücklich bis ans Ende ihrer Tage“ auf ihn und mich zutraf. Doch die Realität deutete auf etwas anderes hin. Zu viel war vorgefallen. Ich konnte ihm nicht trauen. Ich konnte meinen Emotionen nicht trauen. Ich wollte keinen Fehler begehen, sondern eine weise Entscheidung treffen. Also wandte ich mich an Gott, bat ihn um Weisheit und um seinen Rat. Über Wochen verstärkte sich mein ungutes Gefühl in dieser Sache und so entschied ich mich gegen eine Beziehung und für die Hoffnung auf etwas Vielversprechenderes in dieser Richtung. Ein Schritt, durch den mein Herz reiner wurde, denn so konnte die ganze Geschichte von damals komplett heilen. Und so wuchs ich ein ganzes Stück.
Gott beschenkte mich währenddessen in einem anderen Bereich meines Lebens mit einer Menge. Meine erste EP wurde veröffentlicht und ich bekam sehr viele Gelegenheiten, um mit meinen Songs auf Bühnen zu stehen, in Wohnzimmern zu spielen und die Geschichten hinter den Songs zu erzählen. Auch das war anfangs nicht leicht, da ich keine Ahnung hatte, wie man Lieder eigentlich musikalisch anspruchsvoll für eine kleine Band arrangiert. Auch auf der Gitarre war ich noch längst kein Profi. Aber Gott öffnete Türen, an denen ich noch nicht mal geklopft hatte; Auftritte und Gelegenheiten zum Spielen ergaben sich, ohne dass ich jemals etwas dafür tat. Leute kamen mit Anfragen auf mich zu. Ich stürzte mich also in die Welt der Musik hinein und es war richtig erfüllend. Man kann sagen, dass Gott mir das nötige Werkzeug schenkte, um der Aufgabe gerecht zu werden, denn ich bekam wie von alleine so viel mehr Können auf der Gitarre und Wissen über die Materie. Ich fühlte mich unglaublich wohl als Delia – die Musikerin. Zu wohl, denn mein Alltag wurde mir zu gewöhnlich und langweilig. Ich wollte am liebsten immer die kreative Musikerin sein, denn als solche fühlte ich mich wohl und besonders, irgendwie wertvoll. Ich bemerkte gar nicht, dass ich mich fast nur noch über mein Können als Musikerin definierte. Alle anderen Bereiche meines Lebens, meiner Persönlichkeit wurden immer unwichtiger. Ich wollte mehr und entschied mich dazu, mich an einer Musikhochschule zu bewerben. Aber es durfte nicht irgendeine Musikhochschule sein, es musste die Hochschule für Popmusik schlechthin sein, die ich schon seit Jahren im Hinterkopf und vor der ich unglaublichen Respekt hatte. Früher traute ich mir nicht zu, dass ich die harten Aufnahmetests in Theorie und Gehörbildung bestehen könnte. Nun wollte ich aber nichts mehr, als die ganze Zeit Musik zu machen, sogar zu studieren, von Musikern umgeben zu sein und mich dem Ganzen ganz hinzugeben. Also gab ich alles, um diese Tests zu bestehen. Ich lernte, übte, lernte, übte. Und es lohnte sich, denn ich wurde zur Aufnahmeprüfung eingeladen, bestand den Theorieteil und durfte deshalb schlussendlich vorsingen, was die wenigsten schaffen. Ich war mir so sicher, dass ich an diese Musikhochschule gehörte. Ich merkte, dass mein Herz höherschlug, dass ich wie magisch angezogen wurde. Und ich dachte, dass Gott diesen Weg des Musikstudiums mit den verrückten Künstlern und aufregenden Projekten auch für mich im Sinn hatte. Ich erhielt sogar einige Bestätigungen diesbezüglich, die für mich unmissverständlich auf den Weg des Musikstudiums hinwiesen. Aber die Tür blieb verschlossen. Ich erhielt eine Absage. Und ich war am Boden zerstört. Ich war sauer. Enttäuscht. Verletzt. Gekränkt. Entmutigt. Verzweifelt. Perspektivlos.
Ich verstand Gott nicht. Ich war enttäuscht von ihm und zweifelte an, dass er es wirklich gut mit mir meinte, denn ich konnte mir nicht vorstellen, was gut an meinem gewöhnlichen, langweiligen Leben als Lehramtsstudentin sein sollte. Ich war traurig. Den ganzen Sommer lang.
Bis Gott mir sagte, dass ich nun wieder aus meinem Loch herauskommen sollte. Es sei okay zu trauern, aber ich solle wieder fröhlich sein und weitermachen. Ganz ehrlich; das wollte ich auch von Herzen! Tief drinnen wusste ich nämlich irgendwie, dass nichts ohne Grund passiert und Gott alles gebraucht, um uns ihm ähnlicher zu machen, uns zu ihm zu ziehen. Meine – in meinen Augen – trostlose Situation musste irgendeinen tieferen Sinn haben. Und diesen offenbarte mir Gott auch. Ich erkannte, dass ich mein ganzes Sein an dieses Musikerleben gehängt hatte. Ich definierte mich nur noch darüber. Ich dachte, ich könnte nichts wirklich gut, außer Musik zu machen. Aber ich bin so viel mehr als das. Und vor allem bin ich nicht, was ich kann. Ich bin nicht meine Fähigkeiten. Ich bin Delia – Kind Gottes, Jüngerin Jesu. Ausgestattet mit Gaben und Talenten, auf die ich kein Recht habe, die vielmehr Geschenke sind.

„Mir aber sei es fern, mich zu rühmen als nur des Kreuzes unseres Herrn Jesus Christus, durch das mir die Welt gekreuzigt ist und ich der Welt.“ – Galater 6,14

Ich sollte mich nur dafür rühmen, nur darüber definieren, Jüngerin Jesu zu sein. Das erkannte ich. Ich bat Gott um Verzeihung. Und ich verstand, dass ich dies nicht in meinem Herzen begriffen hätte, wenn ich eine Zusage der Hochschule bekommen hätte. Ich hätte blindlings in meiner Illusion der coolen Künstlerin Delia gelebt und vergessen, worauf es wirklich ankommt. Ein so falsches Selbstbild, Selbstbewusstsein wäre gefährlich. Eine tickende Zeitbombe. Sobald der Teil, über den man sich definiert, wegbricht, ist es dahin mit der Selbstsicherheit und Zufriedenheit. Gott hat mich davor bewahrt, mir ein Leben auf dieser falschen Grundlage aufzubauen. Vielmehr hat er mir erneut klargemacht, dass meine Identität als seine Tochter das einzige ist, auf das es sich zu bauen lohnt und auf das ich mich wirklich verlassen kann. Denn passiere was wolle – dass ich Kind Gottes bin, kann mir nichts und niemand nehmen.
Rückblickend verstehe ich das, was ich damals für die Bestätigung bezüglich eines Musikstudiums hielt, viel mehr als Bestätigung dafür, dass es Gott gefällt, wenn ich Musik für ihn mache und er dies gebrauchen möchte. Das kann auf verschiedene Wege passieren; dazu muss ich kein neues Leben starten, Musik studieren und permanent von Künstlern umgeben sein. Ich bin froh, dass ich diese Lektion in 2019 gelernt habe und neu definieren konnte, wieso ich Musik mache und wozu sie dienen soll. Ich habe ein neues Bewusstsein für den Umgang mit meiner Gabe bekommen und habe eine klarere Vision. Ich habe ein reineres Herz in diesem Bereich bekommen.
Mit einer neuen Vision im Gepäck, schrieb ich neue Songs und machte mich auf die Suche nach der Musik, die ich wirklich machen möchte. Dabei beschenkte mich Gott mit neuen Möglichkeiten; die Zusammenarbeit mit einem neuen, talentierten Produzenten, der echt Bock hat, vieles in musikalischer Richtung auszuprobieren. So entstand ein neuer Sound für einen meiner Songs, den ich einfach nur feiere.
Genau diesen Song durfte ich in einer christlichen Fernsehsendung performen. Dass ich diese Möglichkeit bekam, war eindeutig Gottes Werk. Denn nach meiner Aktion mit der Musikhochschulbewerbung, wollte ich bezüglich meines Weges als Musikerin nichts mehr erzwingen. Ich wollte mich ganz auf Gott verlassen. So betete ich eines Abends, dass ich nun nichts mehr von mir aus machen würde. Gott würde mir ganz klare Gelegenheiten zum Auftreten und Musikmachen schenken müssen. Am nächsten Morgen erhielt ich eine Nachricht über Instagram von benannter Fernsehsendung, die mich fragte, ob ich mir vorstellen konnte, in der Sendung zu performen. Und ob ich mir das vorstellen konnte! Ich war total aus dem Häuschen, beeindruckt und voller Ehrfurcht vor Gottes Treue! Gott schaffte wirklich Wege, damit ich Musik machen konnte. Das ist einfach nur cool!
Gott hatte den Teil aus meinem Herzen entfernt, bei dem ich mich zu sehr über meine musikalische Fähigkeit definierte. Da waren aber noch andere Teile, die das Potential haben, sehr gefährlich zu werden, wenn sie überhandnehmen. So ging Gott das Thema Schönheit an. Denn das war bei mir auch eine ziemlich große Sache. Als Teenager litt ich unter Magersucht und hatte ein sehr geringes Selbstwertgefühl, was so einige Spuren hinterlassen hatte. Ich hatte schon einiges über mich gelernt und Dinge überwunden, aber ganz frei war ich immer noch nicht von schlechten Gedanken über mich. Gedanken, die in meiner Magersuchtsphase entstanden waren. Das musste aufgedeckt werden! Also erinnerte Gott mich an Situationen aus meiner Vergangenheit, die Auslöser für schlechte Gedanken und Komplexe waren, die ich so an ihn im Gebet abgeben durfte. Die Tür der Magersucht schloss sich komplett. Dadurch konnten Wunden heilen und der Schmerz verschwand immer mehr. Ich weiß nun, welchen Lügen ich jahrelang geglaubt habe. Und da wären wir wieder beim Herzen; denn dieses wird nun nicht mehr durch einen Schleier von Lügen verhüllt. Ich kenne meine Schönheit und kann mich viel besser annehmen.
Mein Jahr 2019 war geprägt von vielfältigen Herausforderungen, aber auch von Geschenken und Segnungen Gottes. Ich stelle fest, dass Gott in allem zu erkennen ist und dass er so viele Dinge gebraucht hat, damit ich weiser und reifer werde, damit mein Herz reiner und heiler wird. Der Bibelvers aus Matthäus 5 stand über meinem Jahr und ich durfte immer wieder staunen, dass Gott schon zu Jahresbeginn angekündigt hatte, was er insbesondere in 2019 mit mir vorhatte. In den schwierigen Momenten ist mir der Vers immer wieder in den Sinn gekommen und ich konnte so an Gottes Verheißung festhalten. Ich habe erneut erfahren, was es bedeutet, auf ihn zu vertrauen und an ihm festzuhalten, auch wenn ich absolut nicht verstehe, warum er macht, was er macht. Gott ist gut, das kann ich von ganzem Herzen sagen! Er sagt in seinem Wort, der Bibel, so oft, dass er gute Gedanken über uns Menschen hat, dass er uns beschenken will – in der Ewigkeit mit ihm und auch schon hier auf Erden.

„Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen, denen, die nach seinem Ratschluss berufen sind“ – Römer 8, 28

Mit dieser Gewissheit, schaue ich gespannt auf das neue Jahr und auf das, was Gott wohl 2020 mit mir vorhat. Mich erwarten einige Veränderungen, auf die ich mich freue, die gleichzeitig auch viele Herausforderungen mit sich bringen. Aber was kann schon groß passieren, wenn ich weiß, dass Gott gut ist, er gute Pläne für mich hat und alles gebraucht, damit ich heiliger und frei von jeglicher Last werde?! In diesem Sinne: auf die goldenen Zwanziger!

Schön sein

Was ist schön? Bin ich schön? Wer gilt als schön? Wer beurteilt, wer und was schön ist, und wodurch ist etwas schön?
Warum ist mir Schönheit so wichtig, ist mir schön sein so wichtig?
Schönheit ist vielschichtig, schwer greifbar, schwer definierbar. Sie ist viel zu komplex, um sie auf äußere Merkmale zu reduzieren, wie es leider allzu oft getan wird. Schönheit geht tiefer, geht unter die Oberfläche. Ein schöner Mensch ist nicht nur schön, weil er den Merkmalen des allgemeinen Verständnisses von ästhetischer Schönheit gerecht wird. Ein Mensch ist viel mehr schön, wenn er etwas Schönes an sich hat, beziehungsweise in sich trägt. Eine innere Schönheit, die durch die Ausstrahlung zum Vorschein kommt und auf mehr verweist, als das, was man von außen sieht. Wenn ich an schöne Menschen denke, dann denke ich an die Personen in meinem Umfeld, die gerade durch ihre Ausstrahlung schön sind. Schön sind, weil sie bei sich selbst angekommen sind. Weil sie keine Angst haben, sich zu zeigen. Weil sie Frieden darüber haben, wer sie sind. Ich bin überzeugt davon, dass ein Mensch äußerlich noch so perfekt aussehen kann – wenn der innere Mensch jedoch nicht schön ist, dann fehlt etwas Entscheidendes.
Dass ich zu dieser Erkenntnis komme und mir bewusst wird, wie komplex Schönheit ist, dass sie eben nicht nur auf äußeres zu reduzieren ist, brauchte so seine Zeit. Über Jahre hat sich meine Sicht auf Schönheit verändert und ich durfte immer mehr entdecken, welchen Lügen ich geglaubt habe, wie ich – so wie viel zu viele von uns – unter dem Schönheitsdiktat der Welt litt. Dank des Buches „Weißt du nicht, wie schön du bist?“ von John und Stasi Eldredge – das soll an dieser Stelle keine Werbung sein, nur ein Verweis darauf, wo ich viel Weisheit und Wahrheit zu diesem Thema gefunden habe – wurde mir zuletzt noch bewusster, wie notwendig es ist, dass wir Frauen wieder zu unserer Schönheit zurückfinden und verstehen, wie wichtig wir sind. Deshalb schreibe ich auch diesen Text; ich möchte dich ermutigen, dich mit deiner Schönheit auseinanderzusetzen, zu begreifen und in deinem Herzen anzunehmen, dass du schön bist.
Gott hat uns Frauen als Krönung der Schöpfung, als Schlussakkord, als Kirsche auf der Sahnehaube geschaffen. Die Frau übertrifft die Schönheit der gesamten Schöpfung, denn ohne Eva war die Schöpfung nicht vollständig, ihr fehlte etwas, es war noch nicht gut. Das Wesen einer Frau ist also Schönheit. Das hat Gott sich so ausgedacht. Deshalb verlangt unser weibliches Herz danach, schön zu sein. Schönheit war die ursprüngliche Bestimmung, die Identität einer jeden Frau. Das weibliche Herz ist der Inbegriff dieser Schönheit und ist ganz anders als das des Mannes. Es schlägt auf einzigartige Art und Weise für Beziehungen. Frauen setzen sich für Beziehungen ein, erhalten sie aufrecht, pflegen sie. Uns liegt es am Herzen, fürsorglich für andere da zu sein, zu ermutigen und bekräftigen. Die Welt wäre ohne Frauen und ihr Gespür für Zwischenmenschliches um einiges kühler. Wir sind also nicht nur in der Lage dazu, körperlich, physisch Leben zu geben, sondern auch seelisch, psychisch. Und genau darin liegt der Schatz der Weiblichkeit; darin, dass wir unser Herz mit den Menschen um uns herum teilen, es offenlegen, Einblick in unser Innerstes geben und dadurch die Welt bereichern. Weiblichkeit wird dringend gebraucht. Sanftheit, Feingefühl und die gleichzeitige Stärke von Frauen wird gebraucht. Wie schön wäre die Welt, wenn wir Frauen alle so mutig wären, unsere Schönheit offenzulegen und zu teilen.
Jedoch sind wir viel zu oft schon verletzt worden. Wir tragen Wunden mit uns herum. Wir zweifeln an, dass wir überhaupt schön sind und verstecken unser Herz lieber – weil die Erfahrung uns gelehrt hat, dass es gefährlich ist, sich verwundbar zu machen. Weil wir enttäuscht und verletzt wurden. Weil man uns zu verstehen gegeben hat, dass wir nicht liebenswert und erst recht nicht schön sind. Wir wissen nicht, glauben nicht, dass wir schön sind, egal welche Kleidergröße wir tragen. Wir haben keine Ahnung, wer wir eigentlich sind. Haben keine Ahnung, dass unser weibliches Herz so essentiell und besonders ist. Warum das so ist, ist ganz klar: wir leben in einer gefallenen Welt, in der eine Macht existiert, die nicht möchte, dass wir so leben, wie Gott es für uns im Sinn hatte, dass wir mit Gott leben und in ihm und durch die Beziehung zu ihm aufblühen. Ihr gefällt es nicht, wenn Frauen sich über ihre Identität und ihr von Gott gewolltes, geformtes Herz bewusst werden. Denn eine Frau, die mit diesem Bewusstsein lebt, stellt eine Gefahr dar. Eine Gefahr, die Welt mit ihrem Wesen zu bereichern, sie zu einem lebensbejahenden, lebensfördernden Ort zu machen. Das will diese Macht verhindern. Sie will zerstören, hat es auf alles abgesehen, was Leben schenkt und ermutigt, was zum Leben in der Beziehung mit Gott ermutigt. So kommt es, dass sie uns immer wieder Lügen einredet, uns angreift und zum Zweifeln bringt, unsere Identität streitig macht und uns glauben lässt, dass wir alles andere als schön, gewollt und liebenswert sind, so dass wir uns verstecken und der Welt unser Herz vorenthalten, welches sie doch so nötig hat.
Auch meine Geschichte mit der Schönheit geht auf Lügen und Verletzungen zurück. Wie jedes kleine Mädchen sehnte ich mich danach, eine schöne, liebenswerte, zarte Prinzessin zu sein. Eine graziöse, leichte Ballerina. Doch das traf auf mich als Kind so gar nicht zu. Ich war nicht dick, aber meine Statur war ganz sicher nicht gerade das, was man als kleine, zarte Elfe bezeichnen würde. Zudem hatte ich eine Brille seit ich 3 Jahre alt war, und durch einen Unfall auf einer Schaukel waren meine Milchzähne beschädigt worden, wodurch sie teilweise abgebrochen und verfärbt waren. Ich kann mich nicht erinnern, dass mein Äußeres mich als Kind besonders beschäftigt hätte – aber es gab Erlebnisse, Kommentare, die sich während dieser Zeit einprägten und mich später mehr oder weniger bewusst verfolgten, mir das Gefühl gaben, nicht schön zu sein. Da war zum Beispiel diese Kantinenfrau, die mich, als Antwort auf meine Frage nach etwas Nachschub auf meinem Teller beim Abendessen in der Mutter-Kind-Kur, als „kleines Fresssäckchen“ bezeichnete. Das hatte gesessen. Nicht sofort, aber es brannte sich in meinen Kopf ein. Ich kann praktisch noch ihre Stimme in meinen Gedanken hören. Ungern denke ich an meine Ballettphase zurück, die nicht sehr lang anhielt, da ich recht schnell merkte, dass ich aus der Reihe tanzte und nicht wirklich ins Bild passte. Ich war größer als alle anderen Mädchen und sicher nicht elfenhaft, auch wenn ich mich gut bewegen konnte. Und dann waren da noch die Tanten in meiner Familie, die warum auch immer – nur Gott weiß es – jeden Wachstumsschritt kommentierten und zu allem ihre Meinung abgaben. Die hat aber auch ein ganz schönes Är***chen bekommen. Am besten folgte daraufhin noch ein Klaps auf benanntes Hinterteil, wunderbar.
Ich glaube ich habe deutlich gemacht, dass ich mehr oder weniger unter dem Schönheitsdiktat litt, es sich zumindest seinen Weg in meinen Kopf bahnte. Und so kam es, dass die 13-jährige Delia endlich auch schön sein wollte – denn das war sie ja scheinbar nicht – egal, was es kostete. Die Brille wurde gegen Kontaktlinsen getauscht, Make-up aufgelegt und die in meinen Augen überflüssigen Kilos wurden abtrainiert. Zu Beginn wurden sie nur abtrainiert. Irgendwann reichte das nicht mehr und ich hungerte. Ich zählte Kalorien. Ich überlegte den ganzen Tag, was ich wann essen dürfe und wie viele Sit-ups ich machen müsse, damit der zuckerfeie Müsliriegel wieder wett gemacht würde. Ich wurde dünner und dünner. Bis die kleinste Konfektionsgröße im Laden zu groß war, was mir tiefe Befriedigung verschaffte. Und ich wollte mehr davon. Noch mehr abnehmen. Mit noch weniger Essen klarkommen. Es war krank. Aber das merkte ich natürlich nicht; ich war getrieben von dem Wunsch, endlich schön zu sein, die Lügen der Jahre auszuradieren und mich liebenswert zu fühlen. Natürlich hat das nicht funktioniert. Denn trotz immer leichterem Gewicht, sah ich nicht, dass ich schon viel zu dünn war. In meinen Augen war mein Körper immer noch nicht schön genug. Ganz zu schweigen von meiner von Akne geplagten Haut und meinen, zu diesem Zeitpunkt durch mangelnde Nährstoffe, sehr dünnen Haaren.
Ich fing wieder an zu essen, als meine Mutter mir drohte, mich in eine Klinik zu schicken und der Arzt mir nachdrücklich sagte, dass ich besser mit mir umgehen müsse, wenn ich nicht wolle, dass mein Hungern bleibende Schäden verursachen würde, denn inzwischen hatten einige Körperfunktionen bei mir schon ausgesetzt. Ich war krank. Und begann dies allmählich zu realisieren. Also fand ich mich mit dem Gedanken ab, wieder zu essen. Das rettete mich. Ich bin heute dankbar, dass ich die Kurve irgendwie kriegte, so dass ich wieder Normalgewicht erreichte. Ich sah wieder gesund aus, jedoch war mein Kopf immer noch krank. Meine Gedanken waren krank. Ich konnte mich immer noch nicht annehmen, schön finden, selbstbewusst sein. Ich konnte mich als Person nicht annehmen, konnte mir nicht vorstellen, warum mein Charakter liebenswert sein sollte, sah mich durchweg in einem schlechten Licht an. Zu erklären, woher diese schlechten Gedanken über mich kamen, würde den Rahmen dieses Textes sprengen. Nur so viel; es ist auf Verletzungen und Erlebnisse zurückzuführen, die mir vermittelten, dass ich eine Enttäuschung, nicht gut genug, nicht liebenswert sei. Ich denke, dass wir alle das ein oder andere erlebt haben, was uns dieses Gefühl vermittelt hat.
Mein schlechtes Selbstbild zog sich über Jahre durch mein Leben hindurch. Ich baute mir eine Fassade auf, um meine Unsicherheit zu verstecken, probierte mich auf modischer Ebene aus; kaufte mir immer die neuesten Klamotten, schnitt meine Haare zu einem Pixiecut, ließ sie wieder lang wachsen, probierte jede Haarfarbe durch und gewöhnte mir eine Attitude an, die etwas von Arroganz und Kühle hatte. Nach außen gab ich die lässige, selbstbewusste, modebewusste, besondere Delia. In mir war ich unsicher, fast schüchtern. Ich hatte Angst, dass das jemand merken könnte und versteckte mich hinter all den Äußerlichkeiten. Damals natürlich unbewusst. Heute weiß ich, dass all dies eine Maske war. Dass es meine Art war, mit den Verletzungen und der Unsicherheit umzugehen.
Was jetzt kommt, ist das Beste an der ganzen Story. Denn zum Glück blieb es nicht dabei; ich war 18 Jahre alt, hatte nach außen alles unter Kontrolle, war die individuelle und selbstbewusste Delia. Und dann traf ich auf Jesus. Alles änderte sich. Die Reise zu mir selbst begann. Lügen kamen ans Licht, Masken fielen. Das Licht Gottes traf auf meine Dunkelheit und ließ meine Abgründe zum Vorschein kommen. Das Ganze passierte nicht von jetzt auf gleich, es war ein Prozess, in dem Gott immer wieder neu auf Dinge gezeigt, sie hochgeholt hat, damit ich immer mehr in die Freiheit gelange, ich selbst zu sein. Die Delia zu sein, die Gott sich ausgedacht hat, in die er absichtlich bestimmte Eigenschaften hineingelegt hat. So kam es, dass ich immer mehr merkte, wie verfallen ich dem Schönheitswarn war. Es erschütterte mich, zu realisieren, wie viel Bedeutung ich dem Äußeren gab und wie sehr ich mich über mein Aussehen definierte. Ich konnte Gott nur bitten, mir einen anderen Blick auf mich selbst zu geben, denn mein Selbstbild war alles andere als gesund. Ich konnte mich absolut nicht lieben. Und so betete ich, dass Gott mir zeigen würde, warum ich wertvoll bin und warum er mich mit bestimmten Charakterzügen ausgestattet hatte.
Was soll ich sagen, Gott erhörte mein Gebet. In den Wochen darauf kamen immer wieder Freunde auf mich zu und sagten mir, warum sie die Freundschaft zu mir und mich als Person schätzten. Ich wurde ermutigt und bestätigt. Ich wurde gesehen, mein Herz wurde gesehen und wertgeschätzt. Das zu hören, tat meiner Seele so gut! Darüber hinaus lernte ich mich immer besser kennen. Durch einen Persönlichkeitstest, durch Erfahrungen, die ich machen durfte, Dinge, in denen ich mich ausprobierte. Durch Reflexion meiner Vergangenheit, Reflexion über meine Verhaltens- und Denkweisen. Mein Wunsch danach, mich mehr als die Delia zu sehen, die Gott in mir sieht, wurde immer stärker und ich ging Schritte in diese Richtung, ließ nicht davon ab, zu beten und Gott zu fragen, was er über mich denkt, was er in mich hineingelegt hat und warum. Ich glaube daran, dass Gott spricht, dass er mit uns Menschen kommunizieren möchte. Das tat er auch in Bezug auf mein Thema Identität. Immer wieder bekam ich von anderen Christen, die ein Bild vor ihrem inneren Auge von Gott gezeigt bekommen hatten, ermutigende Botschaften darüber, wer ich in Gottes Augen bin. Einmal sprach Gott zu mir in Form eines Bildes von einer Blume – Gott sah mich als diese starke und schöne Blume. Ein anderes Mal bekam ich einen Bibelvers von jemandem zugesteckt, der im Hohelied steht: „Siehe, du bist schön, meine Freundin, siehe, du bist schön; deine Augen sind Tauben.“
Dadurch und durch viele weitere Ereignisse zeigte mir Gott, dass ich schön und wertvoll bin, dass er mich liebt. Dass ich ein schönes Herz habe, das Gott sucht und ihn ehren will. Und so konnte ich mich annehmen. Die Lügen in meinem Kopf wurden vertrieben und durch Wahrheit ersetzt. Wie schon gesagt war das Ganze ein Prozess, das ist es immer noch. Es gibt nach wie vor Dinge an mir, die ich nicht mag. Gedanken über mich, die immer wieder hochkommen und mir einreden wollen, dass ich innerlich und auch äußerlich nicht schön bin. Doch ich weiß, was wahr ist und habe gelernt, zu identifizieren, was sich nach einer Lüge anhört. Ich weiß, dass ich wunderbar geschaffen bin und mein weibliches Herz einen Schatz in sich trägt, der unglaublich wertvoll ist. Ich lasse mir nichts anderes mehr einreden – auch wenn der Feind dies immer wieder versucht. In solchen Situationen halte ich mir vor Augen, was Gott über mich gesagt hat. Welche Wahrheiten er über mein Leben ausgesprochen hat. Ich rufe mir Eindrücke, Erlebnisse, Bibelstellen in Erinnerung, die Gott gebraucht hat, um zu mir zu sprechen und spreche diese laut aus. So kann es schon mal vorkommen, dass ich vor dem Spiegel stehe und sage: „Du bist eine starke und schöne Blume. Gott, ich danke dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin, wunderbar sind deine Werke, das erkenne ich! (Aus Psalm 139,14)“ Es ist ein Kampf, den ich in dem Bewusstsein kämpfe, dass Jesus bereits gesiegt hat! Er hat den Tod besiegt, ist auferstanden aus dem Grab. Sein Blut hat uns erkauft, rausgekauft aus der Sklaverei der Sünde. Wir sind frei, ich bin frei. Und in dieser Freiheit dürfen wir, du und ich, schon jetzt auf der Erde leben. Darauf berufe ich mich immer wieder, das halte ich mir immer wieder vor Augen, wenn die Anfechtungen kommen.

„Gott aber sei Dank, der uns den Sieg gibt durch unseren Herrn Jesus Christus!“ – 1. Korinther 15,57

„Denn alles, was aus Gott geboren ist, überwindet die Welt; und unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat.“ – 1. Johannes 5,4

Wie ich Schönheit verstehe, ist heute ganz anders, als das früher der Fall war. Ich bin überzeugt davon, dass jeder Schönheit in sich trägt, jede Frau in sich Schönheit trägt. Ich weiß, dass Schönheit nicht nur aus Äußerlichkeiten besteht, sondern viel mehr daraus, zu wissen, wer man in Gottes Augen ist und Frieden genau darüber zu haben. Es geht darum, sich anzunehmen und im Hinblick auf Jesus heiliger, also ihm ähnlicher, zu werden. Ein schönes Herz ist das, worin wahre Schönheit liegt. Petrus wusste dies auch schon und schrieb in seinem ersten Brief in Kapitel 3, Verse 3 und 4:

„Euer Schmuck soll nicht der äußerliche sein, Haarflechten und Anlegen von Goldgeschmeide oder Kleidung, sondern der verborgene Mensch des Herzens in dem unvergänglichen Schmuck eines sanften und stillen Geistes, der vor Gott sehr kostbar ist.“

Ich wünsche mir, dass du erkennst, wie schön du bist. Einfach weil es schrecklich wäre, wenn du an Selbstzweifel zugrunde gehen und dich dein Leben lang unsicher fühlen würdest. Der Gott, an den ich glaube, den ich erleben durfte, ist dazu fähig, jede Verletzung zu verarzten, sie zu heilen, sodass es sich so viel besser, leichter und freier Leben lässt. Das tut Gott, weil er uns Menschen so sehr liebt und es nie sein Plan war, dass wir uns quälen. Sein Herz blutet, wenn er sieht, dass wir Schmerzen haben, uns Dinge belasten und wir an der Last zu zerbrechen drohen. Ich wünsche mir, dass du ermutigt bist, deine Schönheit zu entdecken, Verletzungen an Gott abzugeben und dich heilen zu lassen. Einfach weil das Gottes Wunsch für dich ist. Und weil die Welt mehr Ermutiger braucht, die anderen Menschen die Augen öffnen und dazu einladen, sich von Gott heilen zu lassen und ihm in allem die Ehre zu geben.

Storytime – Heal This Heart

Lord, heal this heart.
Take it all, take it all.
I want a new start.
I’m longing for your love.

Mein Herz musste gebrochen werden, damit ich verstehe, was es bedeutet, sich von Gottes Liebe füllen zu lassen. Damit ich lerne, meine Emotionen und Gedanken zu kontrollieren. Damit ich mein Herz Jesus gebe und es fest in seinen Händen ist. Damit ich mich in Jesus verliebe.
Verliebtsein ist etwas Schönes – doch für mich war es mein Leben lang eher etwas Belastendes. Wenn ich einen „crush“ auf jemanden hatte, dann haben die Emotionen meinen ganzen Alltag eingenommen und ich konnte kaum an irgendetwas anderes denken. Das liegt wahrscheinlich daran, dass ich ein sehr emotionaler und leidenschaftlicher Mensch bin, der Gefühle schwer ausblenden kann. Zudem denke ich, dass mir Gott eine besonders große Sehnsucht nach Liebe und Partnerschaft ins Herz gelegt hat, mit der ich lange Zeit nicht umgehen konnte; als Teenager drehte sich meine ganze Welt um Jungs und ich erinnere mich kaum an eine Zeit, in der ich nicht für einen Jungen schwärmte.
Bis vor 3 Jahren, war das mit dem ständigen Verliebtsein nach wie vor Normalität für mich. Langsam lernte ich meine Gefühle zu kontrollieren. Durch Bücher, Predigten und Gespräche mit reiferen Christen, die schon länger mit Jesus unterwegs waren als ich und einiges zum Thema Partnerschaft bereits gelernt hatten, schlich sich bei mir allmählich der Gedanke ein, dass die Art, auf die ich bislang nach meinem Traumprinzen gesucht hatte, wohl nicht die zu sein scheint, die Gott sich für uns Menschen wünscht. Ich fühlte, dass meine Seele total angestrengt und ausgelaugt war vom ganzen Ver- und Entlieben, dem Auf und Ab der Gefühle und dem wiederkehrenden – meist nur in Gedanken – Einstellen auf eine neue Person. Zudem merkte ich, dass das Beziehungsthema an sich einen viel zu hohen Stellenwert in meinem Leben einnahm; ich glaubte insgeheim, dass ich erst hundertprozentig glücklich sein könnte, wenn Gott mir einen Partner schenken würde. Als mir dies klar wurde, bat ich Gott um Hilfe. Er sollte mir aus diesem Emotionschaos heraushelfen. Ich konnte und wollte nicht noch mehr Männer in mein Herz lassen und hoffen, dass sich das lang ersehnte „und sie lebten glücklich bis ans Ende“ endlich auch für mich erfüllen würde. Es war nicht nur falsch, sondern auch echt anstrengend. Also kapitulierte ich. Ich versuchte meine Gedankenwelt und meine Gefühle zu beherrschen; wenn ich merkte, dass meine Gedanken in Richtung eines bestimmten jungen Mannes abdrifteten, betete ich ein Stoßgebet und lenkte sie bewusst auf etwas anderes. Noch heute wende ich diese Strategie an, wenn meine Sehnsüchte hochkommen und ich absolut keine Lust auf emotionale Verwirrung habe. Funktioniert echt gut, muss ich sagen.
Wenn das jetzt so klingt, als hätte ich damit das Wundermittel gegen meine Sehnsucht gefunden, dann muss ich dich und mich leider enttäuschen. Gedanken wegschicken und kontrollieren ist eine Hilfe, aber man kann trotzdem nicht verhindern, dass Gedanken überhaupt aufkommen. Ich kann entscheiden, was ich mit ihnen mache, ob ich mich den Träumereien in meinem Kopf hingebe, oder stark bin und abwäge, ob es gut für mich wäre, sich Gedanken zu machen.
Allein die Erkenntnis, dass ich Verantwortung über meine Gedankenwelt und meine Gefühle übernehmen und meine Einstellung zum Thema Partnerschaft ändern musste, veränderte mich. Ich wurde stärker und fokussierter – bis ich mich verliebte. Mal wieder. Doch dieses Mal war anders, denn ich verliebte mich in meinen besten Freund. Die Gefühle kamen so plötzlich, so unerwartet, dass ich kaum etwas gegen sie tun konnte. Es war, als hätte sich ein Schalter in meinem Hirn umgelegt, der bewirkte, dass ich meinen Freund mit anderen Augen ansah. Wir kannten uns ziemlich gut. Auf einer tiefen, persönlichen Ebene, auf welcher ich wenig Menschen kenne. Diese Verbundenheit kombiniert mit romantischen Gefühlen machte die Situation ziemlich einzigartig, machte meine Gefühlslage ziemlich einzigartig. Ich war nicht nur verknallt, es war keine Schwärmerei. Ich liebte diesen Menschen. Von ganzem Herzen. Umso tragischer ist es, dass diese Liebe zu nichts führte. Zumindest zu nichts als Verletzung auf zwischenmenschlicher Ebene. Doch ich darf sagen, dass die schlimmste Verletzung dazu geführt hat, dass ich richtig frei wurde.
Gott sagt in seinem Brief an die Menschen, in der Bibel, dass alle Dinge denen, die Gott lieben, zum Guten mitwirken (Römer 8,28). Das habe ich besonders intensiv erleben dürfen, als mir das Herz gebrochen wurde.
In dieser Zeit entstand mein Song „Heal This Heart“. Er war für mich eine Art Gebet, mein Flehen, meine Bitte an Gott, mir zu helfen und den Schmerz zu nehmen, mir wieder neuen Lebensmut und Hoffnung zu geben.

It’s you, you see it all. Every little piece of my heart.
It’s you that I look to. You heal every wound, every scar.
I know that I am changed. Your perfect love is all that it takes to heal every part of this heart.

Gott sagt, dass wir zu ihm kommen dürfen, wenn wir mühselig und beladen sind und er uns Ruhe geben möchte (Matthäus 11,28).
In Psalm 147, Vers 3 steht, dass Gott die heilt, die zerbrochenen Herzens sind und ihre Wunden verbindet.
Gottes Zusagen aus der Bibel und Berichte anderer, die genau das erlebt hatten, ließen mich darauf vertrauen, dass Gott mich nicht allein lassen würde. Ich selbst konnte nichts tun, um irgendetwas an den Geschehnissen, der Situation, meinen Gefühlen, dem Schmerz und dem Unmut zu ändern – aber ich wusste, dass Gott es kann. Und er tat es. Irgendetwas in mir sagte mir, dass ich morgens in meiner Bibel das Hohelied der Liebe lesen sollte. Also fing ich an zu lesen und die geschriebenen Worte wurden über Wochen zu einer direkten Botschaft Jesu an mich; während des Lesens fühlte es sich so an, als würde Gott Dinge wie „Siehe, du bist schön meine Freundin […]“ (Hohelied 1,15) und „Wie eine Lilie unter Dornen, so ist meine Freundin unter den Töchtern.“ (Hohelied 2,2) zu mir, Delia, ganz persönlich sagen. Gott redete durch das Hohelied zu mir und zeigte mir, was ich ihm bedeute. Meine Verbindung, Beziehung zu Gott wurde während dieser Zeit noch tiefer, als sie es je zuvor war. Ich freute mich so darüber, dass ich Jesus in meinem Leben hatte, dass sein Heiliger Geist in mir wirkte und mir Kraft an jedem Tag schenkte. Nicht nur Kraft schenkte er mir; er ließ mich tiefe Liebe für Gott empfinden. Es war, als wäre ich verliebt in Gott – ja, das mag etwas seltsam klingen, aber so war es.
Das, was ich von einem Mann zu bekommen erhoffte, zu bekommen versuchte, wollte mir Gott schon die ganze Zeit geben. Er liebt mich bedingungslos, er findet mich unglaublich schön. Ich bin wertvoll, besonders und einzigartig in seinen Augen und er schätzt mich so sehr. Niemals würde Gott mich enttäuschen, verlassen oder verletzen. Mir das allein immer wieder aufs Neue bewusst zu machen, bringt mich zum Weinen. Wie konnte ich all die Jahre weglaufen vor der Liebe Gottes und nicht verstehen, wie heftig seine Liebe für mich ist? Wie konnte ich meine Bestätigung in Beziehungen zu Männern, im Verliebtsein und Emotionen suchen? Wie konnte ich mich selbst so wenig wertschätzen und Männern hinterherlaufen, nur um von ihnen einen Funken Liebe, Beachtung und Anerkennung zu bekommen, wenn Gott mir all dies jederzeit geben kann und will? Was bin ich froh, dass mir die Augen aufgetan wurden! Ich bin froh, dass ich auf die Nase gefallen bin, dass ich enttäuscht und verletzt wurde, so dass ich mich nur noch an Gott wenden konnte.
Ich gab ihm mein Herz und verwendete all meine Energie darauf, ihm zu dienen. Aus Liebe zu ihm. Statt meine Zeit und Energie für die Suche nach Mr. Right zu verschwenden, lernte ich, meinen Fokus auf Gott zu richten. Darauf, noch leidenschaftlicher für ihn zu leben, mit ihm Dinge zu starten, in die Hand zu nehmen – wie zum Beispiel Songs zu schreiben, Konzerte zu geben und anderen Menschen von Gottes Liebe für sie zu erzählen. In Matthäus 6, Vers 33 steht: „Setzt euch zuerst für Gottes Reich ein und dafür, dass sein Wille geschieht. Dann wird er euch mit allem anderen versorgen.“ (HFA). Genau das habe ich erlebt. Ich habe mich an Gott festgeklammert, er schenkte mir seine Liebe, ich liebte ihn zurück und konzentrierte mich auf das, was Gott gefällt. Der Schmerz wurde mir genommen, Gott hat meine Wunden verbunden und mich mit Freiheit und Frieden im Herzen beschenkt. Das bedeutet nicht, dass die Sehnsucht nach Partnerschaft einfach verschwunden ist. Aber ich habe gelernt, verantwortungsbewusst mit ihr umzugehen – auch wenn das nicht immer leicht ist und ich oft feststellen muss, dass ich eben doch nur ein Mensch mit Ecken und Kanten bin. Es ist okay, sich Beziehung zu wünschen. Es ist okay, sich auf eine Ehe zu freuen. Aber es ist nicht okay, wenn das Ganze einen zu hohen Stellenwert hat und den Platz im Herzen einnimmt, der nur für Gott reserviert sein sollte. Es ist eine bewusste Entscheidung, Gott diesen Platz in meinem Herzen zu geben, die immer wieder aufs Neue getroffen werden muss. Doch die Entscheidung lohnt sich! Ich lebe viel entspannter ohne ständiges Ver- und Entlieben. Ich vertraue darauf, dass Gott mir zur richtigen Zeit einen Partner schenken wird. Doch bis es so weit ist, konzentriere ich mich lieber darauf, Gottes Reich zu bauen und Jesus immer ähnlicher zu werden, denn das ist der Wunsch Gottes für uns Menschen. Mein Herz liegt in Gottes Händen und da ist es genau richtig.